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Brücken bauen

Theater kann den Kindern so viel beibringen, wenn sie richtig herangeführt werden. Marie Kienecker ist Theaterpädagogin und hat ein paar wertvolle Tipps für den ersten Theaterbesuch mit euren Kids.

Tipps für Kids: Warum ist das Theater so wichtig für die Kinder?

Marie Kienecker: Das Theater ist ein existentieller Meilenstein unserer Kultur, weil es unsere Weltbilder und Werte abbildet. Es lädt uns ein, unterschiedliche Perspektiven zu erleben und schult soziale Kompetenzen und Empathiefähigkeit, weil man sich mit der Ruhe des Zuschauenden die Gefühle Anderer anschauen kann. Und selbst Theater zu spielen schult Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen, Körpersprache, Integration und Inklusion.

Was gehört zu deinen Aufgaben als Theaterpädagogin?

Ein großer Teil meiner Arbeit ist die Vor- und Nachbereitung in Schulklassen und Kindergärten. Wir Theaterpädagoginnen können kostenlos gebucht werden und kommen dann in die Schule, um bestimmte Themen zu vertiefen. Bei Pinocchio kann es zum Beispiel das Maskenspiel sein, weil Maskerade auch im wirklichen Leben eine wichtige Rolle spielt. Wir bauen die Brücke vom Theater zu den Zuschauenden: Wo ist der Bezug zum eigenen Leben?

Marie Kienecker, Theaterpädagogin und Mutter einer 6-jährigen Tochter, steht seit 12 Jahren im jungen Theater im Werftpark auf der Bühne, ist für Theaterclubs zuständig und betreut Schul- und Kitagruppen (Foto: Pepe Lange)

Warum hast du dich für die Theaterpädagogik entschieden?

Nach meiner Schauspielausbildung in Hamburg habe ich durch Zufall in Nordrhein-Westfalen eine Rolle im Weihnachtsmärchen gespielt. Ich fand das so irre, wie die Kinder abgegangen sind, dass ich mehr für sie spielen wollte. Am Jungen Theater im Werftpark veränderte ich meinen Schwerpunkt weiter und so bin ich in die Theaterpädagogik eingestiegen. Was mich an den Kleinen begeistert, sind diese leuchtenden Augen, wenn ein erwachsener Mensch mit ihnen „spielt“ und sich Zeit für sie nimmt.

Wie können Eltern ihre Kinder auf das Theater vorbereiten?

Eltern sollten bei der Auswahl des Stücks unbedingt die Altersempfehlung beachten und uns dabei vertrauen. Wenn es für das Kind der erste Besuch im Theater ist, können sie auf dem Weg erklären, dass viele andere Familien und Kinder da sein werden und Schauspieler etwas spielen und sich verkleiden. Einfach gerne der Tatsachen und das Umfeld erklären. Je entspannter die Begleitperson ist, und je mehr sie sich darauf einlässt und sich einfach freut, desto gespannter gehen die Kinder an das Theater heran.

Wie können die Eltern das Stück anschließend mit den Kindern verarbeiten?

Man sollte sich darauf einlassen, dass Kinder ein Stück ganz anders sehen als Erwachsene. Das macht ja den Zauber der Bühne aus. Und darüber kann man nach dem Stück sprechen. Aber nicht erschrecken, wenn das Kind das Stück „gruselig“ fand. Vielleicht war es gut gruselig. Man kann nachfragen, was ihnen am besten gefallen hat. So erfahren wir auch, mit welchen Themen sie sich gerade befassen. Und Nachspielen lassen! Man glaubt gar nicht, wie kreativ sie dabei sind. Dabei wird zum Beispiel eine leere Klopapierrolle zum Wolf oder ein Kochlöffel zu einem Schwert, der Schneebesen zu einer Prinzessin.

Das Interview führte Mirjam Stein