Gastfamilie werden: Eine wirklich tolle Erfahrung

Sie sehen fast aus wie Schwestern, aber Rosa und Martina sind nicht verwandt miteinander. Doch für ein halbes Jahr sind sie „Geschwister auf Zeit“, denn die 17-jährige Italienerin Martina ist Gastkind bei Familie Huege in Seevetal.

„Es ist eine Horizonterweiterung für die ganze Familie“, sagt Sandra Huege begeistert und zwinkert Martina fröhlich zu. Die Italienerin ist jetzt seit fünf Monaten bei ihnen zu Hause und allen schon sehr ans Herz gewachsen. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Gastkind so viel positiven Vibe in eine Familie bringen kann“, sagt die Grafikerin. Sie ist selbst ein bisschen verwundert. Ihre Befürchtung, dass sich ein Gastkind wie ein Fremdkörper anfühlen könnte, ist nicht eingetroffen. Ganz im Gegenteil! Mit Martina ist eine zweite Tochter eingezogen.

Willkommen, Martina! Am Hamburger Flughafen gab es zum Empfang Blumen für die „Tochter auf Zeit“.

Rosas Wunsch

Es war der Wunsch ihrer Tochter Rosa, ein Gastkind aus dem Ausland auf Zeit aufzunehmen. Rosa ist 14 Jahre jung und möchte später selber einmal ins Ausland. „Dann kennt man schon mal jemanden und weiß, wie alles so abläuft“, war ihre Idee. Außerdem wollte sie ihr Englisch verbessern. „Für ein halbes Jahr kann man doch mal jemanden in die Familie holen.“ Ihre Eltern Sandra und Janis Huege, beide 44 Jahre jung, haben sich zunächst schwergetan mit dem Gedanken. „Wir hatten Angst, unsere Privatsphäre zu verlieren“, erklärt Sandra Huege das Zögern. „Wer konnte denn ahnen, dass das mit Martina so toll matcht?“, sagt sie heute glücklich.

„Wer konnte denn ahnen, dass das mit Martina so matcht?“
Sandra Huege

Eine völlig neue Erfahrung

Die 17-jährige Italienerin kommt aus Mailand und besucht hier die 11. Klasse des Gymnasiums in Seevetal. Ihre Eltern führen ein Restaurant in Mailand. Zu Hause hat sie noch eine 11-jährige Schwester und ist es daher gewohnt, jemanden an ihrer Seite zu haben. Für die 14-jährige Rosa war das hingegen völlig neu. „Sie ist Einzelkind, und sicher kam daher auch der Wunsch, einmal erfahren zu wollen, wie es sich mit einer Schwester anfühlt“, vermutet Sandra Huege, die inzwischen wieder richtig gut Englisch spricht. „Natürlich soll Martina bei uns auch Deutsch lernen, aber wenn wir alle zusammen am Tisch sitzen und es schnell gehen soll, ist Englisch die Sprache der Wahl. Das hat auch meine vergrabenen Vokabeln wieder an die Oberfläche geholt. Ein schöner Nebeneffekt!“

Von der Sightseeing- und Geschichtstour durch Berlin profitierte die ganze Familie. Hier stehen sie mit Martina (r.) am Holocaust-Mahnmal.

Stolz auf das Gastkind

Sandra ist beeindruckt, wie gut ihre Gasttochter die Schule packt. „Ich stelle mir das echt schwierig vor: Du gehst als Italienerin in eine deutsche Schule und machst einen französischen Vokabeltest. Aber die Kids heutzutage rocken das richtig gut. Martina bringt lauter Zweien nach Hause.“ Man merkt ihr den Stolz schon ein bisschen an.

Familienleben neu belebt

Rückblickend findet sie, dass sich ihr Familienleben in den letzten fünf Monaten zum Positiven verändert hat: „Wir sind viel aktiver. Erstmal unterhält man sich wieder mehr und viel intensiver, und wir haben sogar Spieleabende eingeführt und schauen zusammen Serien. Wir haben alle Folgen von ‚Stranger Things‘ gemeinsam angeguckt.“

Und Action! Auf dem Hamburger Dom hatten die beiden Mädels viel Spaß.

Schöne Touren mit der Familie

Sandra und Janis Huege möchten natürlich auch, dass Martina ein bisschen was von Deutschland sieht. „Entsprechend sind wir an den Wochenenden auch schon mal alle zusammen auf Tour. Dann geht es nach Timmendorf an die Ostsee oder mal nach Berlin oder Lüneburg.“ Sie betont allerdings, dass das kein Muss ist. „Erwartet wird der normale Alltag. Niemand muss mit seinem Gastkind Ausflüge machen“, sagt sie, aber ihrer Familie tue es sehr gut.

Erweiterter Horizont und neue Freundschaften

Auf die Frage, ob sie noch mal jemanden aufnehmen würden, muss die berufstätige Mutter überlegen. „Nicht gleich und sofort, denn dann würde ich vergleichen. Aber nach einer emotionalen Pause können wir uns das auf jeden Fall noch mal vorstellen“, sagt sie. „Jeder, der überlegt, ein Gastkind bei sich aufzunehmen, dem kann ich dazu raten. Es ist eine tolle Erfahrung und es erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern schafft auch neue Freundschaften, denn natürlich haben wir bereits auch mit Martinas Familie in Mailand telefoniert. Ein Treffen ist schon geplant – 2026 in Mailand. Da freuen wir uns schon drauf!“

Von Marion Laß

Eine Gastfamilie ist …
… eine Familie, die eine*n Austauschschüler*in aus dem Ausland für drei bis zehn Monate bei sich aufnimmt. Das sogenannte Gastkind wohnt bei der Familie, besucht in der Nähe eine Schule und wird komplett in den Familienalltag integriert. Mit Experiment e.V. können fast alle Gastfamilie werden: Egal ob Alleinerziehende, Patchwork- oder Regenbogen-Familien, ob Paare mit oder ohne Kinder, ob Großstadt oder Dorf! Wichtig sind vor allem Platz für das Gastkind – im Zuhause und im Kreise der Familie! Der Spaß am kulturellen Austausch und die Bereitschaft, einem Gast auf Zeit die Türen zu öffnen, kann zu lang haltenden Verbindungen führen. Mehr Infos rund um das Thema Gastfamilie werden

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